Hände die (fast) nicht ruhen

20. Juli 2010 von Martina Nachtsheim

Frauke ist mit zuverlässigem Engagement und Lernwillen am Wegwartehof. Sie ist unser täglicher Sonnenschein!

Frauke, unser täglicher Sonnenschein, jätet die Goldmelisse

PraktikantInnen zwischen Stutenmilch und Kräutern

Was bewegt Jugendliche und junge Erwachsene auf einem bio-dynamischen Betrieb zwischen Stutenmilch und Kräutern mit zu arbeiten? Einen Sommer lang für Kost und Quartier bei allen Witterungen draußen am Feld und drinnen im Stall vollen Einsatz bringen? Unkraut jäten, Klo putzen und im Stallbad duschen? Rückenschmerzen, Muskelkater und Schwielen an den Händen? Warum?


Petra ist genau bei der Arbeit und durchdenkt auch die Hintergründe. Wegen ihr muss ich immer wieder nachlesen über die detaillierten Wirkungen unserer Kräuter

Wegen Petra muss ich immer wieder nachlesen über die detaillierten Wirkungen unserer Kräuter

3 Monate, 2 Monate, 1 Monat am Wegwartehof

Frauke, Emma, Theresa, Christoph, Petra, Bastian, Chrisi sind das PraktikantInnen Dream-Team dieses Sommers (ein paar kommen noch dazu). Das mit dem Dream-Team meine ich ehrlich, schließlich bin ich oft genug ungeduldige Vorarbeiterin am Feld. Jedenfalls zurück zur Frage, warum sind sie da – und das oft als WiederholungstäterInnen? “Die Arbeit beim Klimabündnis ist spannend und gut, aber ich muss jetzt mal wieder was Praktisches tun.” – “Ich steh vor einer großen Veränderung und lebe ab Herbst in Linz, da habe ich noch einmal eine Woche Erdung gebraucht, zum Runterkommen.” – “Wir haben zu Hause eine Bio-Landwirtschaft. Mich interessiert Demeter und ein Betrieb auf dem mit wenig Maschineneinsatz gearbeitet wird.” – “Meine Mutter hat gemeint, dass das das Richtige für mich ist.” – “Meine Schwester war im Vorjahr hier und sie hat mir geraten am Wegwartehof mit zu arbeiten.” – “Ich hab diesen Sommer leider nur 1 Woche Zeit für den Wegwartehof – es ist mir wichtig diese Woche hier voll dabei zu sein.” – “Am Wegwartehof mit den Kindern und den Pferden arbeiten ist für mich Sommer für Sommer unvergleichliche Lebensqualität.”


Schwere Arbeit und schöne Arbeit. Goldmelissen-Blüte ernten gehört zu den SEHR schönen Arbeiten

Schwere Arbeit und schöne Arbeit. Goldmelissen-Blüte ernten gehört zu den SEHR schönen Arbeiten

Arbeiten im Hofrythmus, mit den Beinen fest am Boden

“Ja, mach nur eine Plan, sei ein helles Licht, dann mach einen zweiten. Funktionieren werden beide nicht.” Das hat Bert Brecht einmal gesagt und recht hat er. Wer hier im Waldviertel im Team vom Wegwartehof dabei ist erlebt das hautnah. Wenn es regnet können wir nicht ins Feld rein gehen, das verdichtet den Boden. Wenn die Herde aus der Koppel auskommt, dann vergeht gleich mal ein Stunde bis alles wieder passt. Wenn das Wetter zum Heumachen stimmt, dann wird alles andere Plan B. Wenn der Motormäher kaputt ist, muss man auf die bestellten Teile warten. Ja, da bleibt einem nichts anderes übrig als eine gesunde Flexibilität zu entwickeln, den Tag zu nehmen wie er kommt und trotzdem das Ziel nicht aus den Augen verlieren. Erzwingen läßt sich bei uns nichts – man ist aber auch nicht einfach nur Opfer der Umstände – wir können sehr viel gestalten, im Einklang mit der Natur.


Christoph interessiert Landwirtschaft mit den Händen und wenig Maschineinsatz

Christoph interessiert Landwirtschaft mit den Händen und wenig Maschineinsatz

Bio-dynamisch und froh

Wir arbeiten 6 Tage in der Woche und je nach Wetter viele, viele Stunden. Da gibts viele Arbeiten, die den Rücken echt belasten und Arbeiten, von denen man denkt, dass sie nie enden (wenn zB unser Schnittlauch vollkommen verunkrautet ist und geerntet werden muss). Dann gibts wieder die schönen Arbeiten wie Rosenblütenblätter ernten oder an einem heißen Tag raus in den kühlen Wald und Himbeerblätter ernten. Am Ende des Tages ist man müde im ganzen Körper und auch im Kopf. Am Ende des Tages hat man gelacht, geschwitzt, etwas Neues dazu gelernt und ein zufriedenes Gefühl etwas geleistet zu haben. Am Ende des Tages freut man sich aufs Bett, auf tiefen Schlaf und auf den nächsten Tag.


Chrisi kommt alle Jahre wieder und sorgt für spannende Reitpädagogik

Chrisi kommt alle Jahre wieder und sorgt für spannende Reitpädagogik

Ganz besondere Jugendliche

Der Wegwartehof wirkt schon auf ganz “normale” Menschen ganz besonders. Wir bieten aber auch einzelne Plätze für besondere Jugendliche – Jugendliche, die sich mit sich selbst und ihrer Umwelt besonders schwer tun. Jugendliche, die den Schulrythmus nicht schaffen oder an der modernen Leistungs-Arbeitswelt zerbrechen. Jugendliche, die gar keine Idee mehr haben, was sie wollen und vielleicht noch Ideen haben, was sie nicht wollen. Sie “funtkionieren” nicht in der “normalen” Gesellschaft. Für diese Jugednlichen bieten wir ein ganz besonderes, pädagogisches betreutes Praktikum – so können sie sich selbst und den Boden unter den Füßen wieder finden. Bei Fragen zu unseren Spezial-Praktika könnt Ihr einfach Andreas kontaktieren.


Hier sind ein paar schöne Impressionen unserer PraktikantInnen zu sehen: Bildgalerie


Liebe alte und neue PraktikantInnen, Ihr seid ganz herzlich eingeladen hier mit eigenen Worten zu erzählen, was Euch auf den Wegartehof gebracht hat und wies Euch hier zwischen Stutenmilch und Kräutern ergangen ist!


Wiederholungstäterinnen: Traude, unsere liebe Nachbarin braucht kein Praktikum, die ist selber Landwirtin. Aber manchmal kommt sie gern für ein paar Stunden mit uns mit. Theresa freuts, auch wenn sie auch nur 1 Woche dabei sein kann

Wiederholungstäterinnen: Traude, unsere liebe Nachbarin braucht kein Praktikum, die ist selber Landwirtin. Aber manchmal kommt sie gern für ein paar Stunden mit uns mit. Theresa freuts, auch wenn sie auch nur 1 Woche dabei sein kann

2 Antworten auf „Hände die (fast) nicht ruhen”:

  1. Eva sagt:

    weil’s erfüllte Sehnsucht war
    Sinn.
    Boden.
    Erde.
    (Lebens)Heimat.
    und ihr: Familie

    • Martina Nachtsheim sagt:

      Ach liebe Eva, wir freuen uns alle sehr, wenn Du bald wieder bei uns am Wegwartehof bist!
      Fühl Dich ganzganz lieb umarmt!
      Martina

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