
Gut für die Bodenlebendigkeit: nachhaltige Bearbeitung mit Pferden
Abtauchen in die Feinheiten, die einen Unterschied machen
Alleine in Europa gibt es 30 Millionen ha irreversibel verdichteten Boden. Wenn man sich den Weltagrarbericht zu Gemüte führt (was ich für sehr empfehlenswert halte), dann ist klar, dass die Landwirtschaft der Zukunft eine andere sein muss.
Bei meinem Praktikum am Demeter Hof Hollegraben war ein "Lehrlingsabend" dem Projekt Humussphäre gewidmet, denn die landwirtschaftliche Arbeit mit Pferden ist besonders nachhaltig für die Lebendigkeit des Bodens. Das wird am Hof Hollergraben seit 2005 wissenschaftlich untersucht - und das sehr spannend!

So sieht moderne Landwirtschaft aus: Am Feld mit den Pferden
Modern und altbewährt: Pferde und Bodenlebendigkeit
Die Lebendigkeit der Landwirtschaft und des Bodens ist ein Herzstück der Demeter-Landwirtschaft, der Humusaufbau ist eine unserer bäuerlichen Kernaufgaben. Wir unterstützen Kompost, Pflanzen und Erde mit speziellen bio-dynamischen Präparaten und nehmen sorgsam wahr, was uns der Boden zeigt.
Übrigens ein interessantes Faktum: laut FAO werden weltweit nur 20% der Welt-Agrarfläche maschinell - also so wie wir das normal finden - bearbeitet. 60% werden mit Tieren bearbeitet und 20% von Hand.

Die Fingerhacke wird einspännig gezogen - gut für das Gemüse und gut für den Boden
Humussphäre und Arbeitspferde
Klaus Strüber vom Demeter Hof Hollegraben erklärt: "Man muss auf den Boden wieder Bewusstheit bringen". Inspiriert von Herwig Pommeresche, der in seinem Buch Humussphäre die Theorien von Justus Liebig und der Industrialisierung der Landirtschaft widerlegt, nimmt Klaus die Möglichkeiten der Arbeit mit Pferden wahr. Im 10jährigen Forschungsprojekt Humussphäre zu humusaufbauenden und energiesparenden Methoden in der Landwirtschaft wird die Möglichkeit des Einsatzes von Pferden in der modernen Landwirtschaft genau untersucht. Das Projekt Humussphäre untersucht zuerst Methoden, mit denen die Bodenfruchtbarkeit, die Bodengare und der Humusgehalt, also die Lebendigkeit des Bodens auf ein höheres Niveau angehoben werden kann, um dann festzustellen, ob auf diesen Böden Pferde wirtschaftlich und ökologisch erfolgreich eingesetzt werden können..

Die Lebendikeit der Böden ist jeden Tag aufs neue eine bäuerliche Herausforderung
Links Rechts: Landwirtschaft mit Zukunft
In einem Links-Rechts Versuch wird gemeinsam mit Prof. Dr. Rainer Horn von der Uni Kiel auf Feldparzellen ein Vergleich von Pferde- und Traktorbearbeitung erforscht. Eine Seite wird von den Stuten Lotte und Mette bearbeitet und die andere Seite von einem 25 PS Traktor. Um valide Erkenntnisse aus dieser Studie ziehen zu können, wurde ein Jahr lang die Vergleichbarkeit der Bodenstücke untersucht. Faszinierend ist, dass seit Beginn des Versuchs der Ertrag auf der Pferdeseite um 15% höher ist. Und was beinahe noch eindrucksvoller ist, ist dass der Eindringungswiderstand (also die Bodendichte) der Pferde-Seite signifikant geringer ist wie auf der Traktor-Seite - und das obwohl der Traktor mit 1.400kg deutlich leichter ist im Vergleich zum Pferdegespann das 1.600kg wiegt. Das Luftporenvolumen auf der Pferde-Seite zeigt 40% mehr Luft im Boden wie auf der Traktor-Seite.
Das sind keine kleinen Unterschiede und ich bin gespannt, wie sich die Versuchsdaten weiter entwickeln.
Der Links-Rechts Versuch ist nur einer in eine ganzen Serie von wissenschaftlichen Fragestellungen rund um die Humussphäre. Wer sich dafür interessiert kann sich ganz einfach an Klaus Strüber vom Hof Hollergraben wenden: info(at)hof-hollergraben.de

Mein erstes Mal: Es ist ganz schön schwierig ordentliche Schwaden zu formen!
Spannende Links zur landwirtschaftlichen Arbeit mit Pferden
Hier ein paar interessante Links zum rund um die starken Pferde im vollen Einsatz
- ÖIPK Österreichische Interessensgemeinschaft Pferdekraft
- Starke Pferde
- IG Zugpferde e.V.
- Achenbach Sattlerei HAMA
- Ein wirklich sehenswerter Film von Roger Clark: Anspannen zum Pflügen
Ihr seid herzlich eingeladen Fragen und Meinungen zu diesem Projekt zu posten - bin schon gespannt, was Ihr über das Humussphäre-Projekt denkt!
Ich schicke Euch liebe Grüße aus dem schönen Holstein - die beiden großartigen und liebenswerten "Ackergäule" Mette und Lotte lassen übrigens auch recht herzlich Grüßen!

Lebendige Partnerschaft - Mette und Lotte arbeiten mit Freude - das macht auch die eigene Freude an der Landwirtschaft noch größer. Es tut dem Boden gut und ist einfach ein schönes Gefühl!


Ahoi Martina! Sehr guter und spannender Beitrag. Danke dafür. Kleine Anmerkung: "Gleich wie und anders als" ... falls das unklar ist, steh' ich für Rückfragen gern bereit. wol
hi martina,
*neid* interessanter bericht, spannendes praktikum. klaus und sein projekt beobachte ich schon seit einigen jahren - er zeigt auf eindrucksvolle weise probleme auf, die alle angehen. wie schnell das kollektive "wir" das erkennen und darauf reagieren wird, ist eine andere (entscheidende) frage --> netzwerken! bewußtseinsarbeit! jedes gramm humusphäre ist wichtig, jeder beitrag wertvoll. toll, dass der wegwartehof dem hollergraben-beispiel folgt!
lg tobias
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